Vier Generationen Familie Rodenstock

Randolf Rodenstock: 1990-2003

Randolf Rodenstock ist nach dem Studium der Physik an der Universität München und einer betriebswirtschaftlichen Zusatzausbildung (MBA) an der Management-School Insead, Fontainbleu/Frankreich, 1976 in das Unternehmen eingestiegen und leitete das Unternehmen zunächst gemeinsam mit seinem Vater. Im Jahr 1990 übernahm er die Gesamtverantwortung und richtete das Unternehmen auf die Anforderungen der zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft aus.

Wegen des steigenden Kostendrucks in Deutschland und auf den Weltmärkten verlagerte Randolf Rodenstock große Teile der Produktion ins Ausland und sicherte so die Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig betrieb er die Revitalisierung der Marke Rodenstock. Mit sanftem Nachdruck gelang es ihm, das Unternehmen zu modernisieren. Mit der Konzentration auf das Kerngeschäft “Brille” Ende der 90er Jahre rückten die Brillenträger mit ihren Anforderungen und emotionalen Bedürfnissen in den Fokus.

Rodenstock, als einziger namhafter Hersteller von Brillengläsern und Brillenfassungen, erkannte die besondere Kompetenz für das Thema Brille im ganzheitlichen Sinne und setzt seither konsequent auf dieses Alleinstellungsmerkmal. Im Jahr 2002 gab Randolf Rodenstock dem Familienunternehmen eine kapitalmarktfähige Struktur und öffnete es für familienfremde Gesellschafter auf dem Weg zur Börsenfähigkeit.

Mit Wirkung vom 1. November 2003 wechselte er vom Vorsitz der Geschäftsführung in den Aufsichtsrates der Rodenstock Gruppe und bleibt in dieser Funktion dem Unternehmen und der Augenoptik weiterhin eng verbunden.

Randolf Rodenstock ist in zahlreichen Ehrenämtern aktiv, unter anderem leitet er die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), München, den Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM), München, und ist Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Berlin. Er ist Kuratoriumsmitglied der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, für die er das viel beachtete Buch “Chancen für alle” geschrieben hat.

Rolf Rodenstock: 1953-1990

Der promovierte und habilitierte Diplomkaufmann Rolf Rodenstock übernahm 1953 die Leitung des Familienunternehmens von seinem Vater. Er gestaltete den Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder für Rodenstock und galt als eine der profiliertesten Unternehmerpersönlichkeiten der jungen Bundesrepublik.

Neben Brillengläsern setzte er vor allem auf die Fertigung von Brillenfassungen und begründete damit den Aufstieg der Marke Rodenstock. Unter seiner Leitung wurden moderne industrielle Planungs- und Fertigungsmethoden eingeführt und Tochtergesellschaften in vielen Ländern gegründet.

Über die Verantwortung für sein Unternehmen hinaus übernahm Rolf Rodenstock auch hohe gesellschaftliche Verantwortung: So leitete er von 1978 bis 1984 in schwieriger Zeit den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dessen Präsidium er bereits seit 1952 angehörte. Von 1966 bis 1978 stand er als Präsident dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), Köln, vor und von 1971 bis 1990 stand er an der Spitze der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern, München. Von 1956 bis in die 80er Jahre hielt er an der Universität München viel besuchte Vorlesungen in der betriebswirtschaftlichen Fakultät.

Alexander Rodenstock: 1905-1953

1905 trat Alexander Rodenstock mit 22 Jahren in die Firma ein. Auf Drängen des Vaters hatte er sein Studium der Physik und Volkswirtschaftslehre abgebrochen und bereitete sich auf die Übernahme der Leitung des Familienunternehmens vor, die im Jahre 1919 vollzogen wurde.

Zum Zeitpunkt seines Eintritts hatte Rodenstock gerade 200 Mitarbeiter, bis 1953 (Alexanders Todesjahr) hatte sich die Belegschaft mehr als verzehnfacht. Seine Ära war geprägt von Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit. Wachstumsphasen wie vor dem 1. Weltkrieg und in den 30er Jahren standen katastrophale Entwicklungen wie zwei Weltkriege und eine Weltwirtschaftskrise gegenüber.

Trotz allen Wechsels hielt Alexander konsequent an dem privaten Charakter des Familienunternehmens fest und widerstand erfolgreich Übernahmeversuchen und der Zwangszusammenlegung mit einem Wettbewerber während der Zeit der Nationalsozialisten.

Alexander Rodenstock machte die Münchner Räterevolution auf Seiten der bürgerlichen Gegenrevolutionäre mit und gehörte von 1919 bis 1925 dem Münchner Stadtrat für die Bayerische Volkspartei an. Darüber hinaus bekleidete auch Alexander Rodenstock zahlreiche Ehrenämter in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Institutionen.

Josef Rodenstock: 1878-1905

Am 1. Januar 1878 nahm Josef Rodenstock (32), ein aus Thüringen stammender, wandernder Verkäufer selbst konstruierter Messinstrumente und Brillenfassungen, gemeinsam mit seinem Bruder Michael den Geschäftsbetrieb der 1877 gegründeten Firma “G. Rodenstock” in Würzburg auf.

Bereits 1883 verlegte die junge Firma ihren Sitz nach München, wo sich noch heute die Unternehmenszentrale befindet. Der risikobereite Autodidakt und Selfmademan heiratete 1880 Maria Schmöger und hatte mit ihr drei Söhne und sechs Töchter. Der Firmengründer vereinte in sich ausgeprägten Erfindergeist, Wagemut und ungewöhnliches geistiges Format. Er galt als gerecht, hilfsbereit und humorvoll aber “fürchterlich in seinem Zorn über Fehler oder Unfähigkeit”.

Mit großer Energie und Arbeitswut baute er das Unternehmen praktisch aus dem Nichts auf, ohne Bildung und Kapital. Obwohl bald sehr vermögend, blieb er in seinen eigenen Ansprüchen bescheiden.

Als Unternehmer ging er keinem Streit aus dem Wege, wenn er überzeugt war, dass es für die Entwicklung seiner Firma wichtig sei. Er legte sich mit “unprofessionellen Brillenhändlern” an, prozessierte gegen die Konkurrenz, die seine Patente zu Fall bringen wollte, und kämpfte gegen Augenärzte, die sich über Rodenstocks Refraktionierungen und “Aufklärungsschriften” beschwerten.
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